Veranstaltungen
Vortrag Torgauer Geschichtsverein
Mittwoch, 12. November 2025, 19:00 Uhr - 20:00 Uhr
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Vortrag im Rahmen der Vortragsreihe des Torgauer Geschichtsvereins:
"Von Bamberg nach Belgern – Kirche, Kriege, Königsburgen vor tausend Jahren"
Referent: Dr. Wolfgang Ender
Im Jahr 1010 weilt Heinrich II als deutscher König in Belgern an der Elbe, gelegen auf einem schönen Berg, wie der Zeitgenosse Thietmar von Merseburg schreibt. Der spätere Kaiser wird noch heute als Heiliger der katholischen Kirche verehrt. Als Kirchenorganisator und Klosterreformer im damaligen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation hat er an seinem Lieblingsort im oberfränkischen Bamberg ein Bistum gegründet und einen großen Dom in einer ganzen Kirchenlandschaft errichten lassen. In diesem Dom, der auch das einzige Papstgrab nördlich der Alpen birgt, liegt er begraben.
Aber war er wirklich nur der fromme Kirchenmann? Was wissen wir über sein Wirken an der sächsischen Elbe, in der damaligen Mark Meißen und den Lausitzen?
Immer wieder hielt er sich an der Elbe, dem damaligen Grenzraum zum slawischen Osten auf. Er organisierte mehrere Kriegszüge nach Osten, die teils von Belgern gegen das neue polnische Herzogtum ihren Ausgang nahmen. Sein Vorgänger Otto III pflegte noch ein freundschaftliches Verhältnis zu den polnischen Herzögen Mieszko und Boleslav Chrobry, der seinerseits mehrfach mit seinem Heer an der Elbe erschien und auch Belgern belagerte. Machtbewusst und wenig zimperlich scheint Heinrich II seine Politik durchgesetzt zu haben, ohne dabei auf vermeintlich christliche Interessen Rücksicht zu nehmen.
Dies ist der Hintergrund für die frühe Geschichte von Belgern und der Elbregion in den ersten Jahren nach 1000. Damals standen heute kleinere Orte an der Elbe zeitweise im Zentrum der europäischen Geschichte. Denn in den schriftlichen Quellen der Zeit wird mehrfach Belgern – Belegori – als Ort wichtiger Ereignisse genannt. Seit langem wird deshalb davon ausgegangen, dass auf der Höhe des „Weißen Berges“, der heutigen Stadt Belgern, damals eine Burg gestanden haben muss. Der genaue Standort und die Form der Burg aber blieben umstritten.
Neuere Grabungsergebnisse lieferten nun wesentliche Hinweise zu einer Anlage, die in den Jahren um 1000 n.Chr. in Belgern hoch über der Elbe bestand. Im Vergleich mit anderen zeitgleichen Anlagen kann ihr Charakter anschaulich dargestellt werden und in den regionalen Kontext der Zeit eingeordnet werden. Hier zeigte der in Bamberg so fromme Kaiser Heinrich II sein doch eher brutales Gesicht.
Der Vortragende, Dr. Wolfgang Ender, sehr erfahrener und geachteter Archäologe, ist selbst Belgeraner. Er wird einen spannenden Vortrag halten, wir laden herzlich dazu ein.
Dr. Jürgen Herzog
Ort Rathaus Torgau